Vorsicht Fuchsbandwurm!

... Tipps zur Vorbeugung

von Claudia Wolters

Füchse dringen immer mehr in die Siedlungsgebiete des Menschen vor. Man findet sie eher in Gärten, auf Feldern und Wiesen als im Wald. Manche sind Träger des Fuchsbandwurmes (Echinokokkus multilocularis). Auf den Menschen übertragen, kann er eine tückische, kaum heilbare Erkrankung auslösen, die Echinokokkose. Seit Anfang der 90er Jahre wird die Ausbreitung des Fuchsbandwurmes von Wissenschaftlern verstärkt beobachtet. In Deutschland gibt es keine Region mehr ohne den Parasiten. Auch in Nordrhein-Westfalen nimmt die Zahl der befallenen Füchse zu. Trotzdem ist übertriebene Sorge nicht angebracht. Bislang sind Infektionen beim Menschen nämlich sehr selten.

Der Lebenszyklus des Parasiten

Eigentlich kommt der nur 2 bis 3 Millimeter große Parasit im Darm von Füchsen vor, ohne dass dieser Fuchs hierdurch beeinträchtigt ist. Mit dem Fuchskot werden die Eier des Fuchsbandwurmes verteilt. Im normalen Zyklus braucht der Bandwurm Nagetiere, zum Beispiel Mäuse, in deren Dünndarm aus den Eiern Larven schlüpfen. Diese bohren sich durch die Darmwand, gelangen mit dem Blut in die Leber und wachsen dort in wenigen Monaten zu tumorähnlichen Larvengeweben heran. In diesen entstehen Tausende neuer Bandwurmanlagen. Fängt ein Fuchs die geschwächte Maus, wachsen in seinem Darm erneut Fuchsbandwürmer heran.

Die Echinokokkose beim Menschen

Beim Menschen verursacht der Fuchsbandwurm ein tumorähnliches Wachstum, meistens in der Leber, das ohne Behandlung zum Tode führt.

Die Symptome sind ganz unspezifisch, wie sie etwa auch beim Leberkrebs auftreten: Druckgefühl im Oberbauch, Völlegefühl und schließlich auch eine Gelbverfärbung der Haut können in späteren Stadien auftreten.

Im Menschen wächst die Fuchsbandwurmlarve sehr viel langsamer. Daher liegen zwischen Infektion und möglicher Erkrankung circa 10 bis 15 Jahre. Aus diesem Grund ist der Fuchsbandwurm im Frühstadium schwer zu diagnostizieren. Aber nur hier lässt er sich operativ entfernen. Die Operation, mit der der Parasit aus der Leber entfernt werden soll, führt nur selten zum Erfolg, weil die Krankheit meist so weit fortgeschritten ist, dass es nicht gelingt, den Parasiten ganz aus der Leber zu entfernen. Was bleibt, ist eine lebenslange medikamentöse Therapie, die bei den Patienten in der Regel sehr gut wirkt, indem sie das Wachstum des Fuchsbandwurmes stoppt.

Der Infektionsweg

Die genaueren Infektionsumstände beim Menschen sind noch unbekannt. Aber so viel ist klar: Die mikroskopisch kleinen Eier müssen in den Magen-Darm-Trakt des Menschen gelangen, um eine Infektion auszulösen. Vermutlich erkranken dann aber nur circa 10 Prozent auch tatsächlich. In serologischen Reihenuntersuchungen hat man festgestellt, dass gesunde Personen häufig spezifische Antikörper gegen den Parasiten aufwiesen, was darauf hindeutet, dass das Immunsystem sich bereits mit dem Parasiten auseinander gesetzt hatte.

Als mögliche Infektionsquellen galten lange Zeit Waldfrüchte oder Pilze, denen die Fuchsbandwurmeier anhaften. Da Beschwerden erst nach 10 bis 15 Jahren auftreten, lässt sich der konkrete Auslöser nie belegen. Und da die Füchse immer weiter in die Siedlungsgebiete des Menschen vordringen und ihre Nahrung eher auf Feldern und in Gärten als im Wald suchen, sind Waldfrüchte und Pilze als Infektionsquelle eher fraglich. In Risikogebieten sind Gartengemüse, bodennah wachsende Früchte, auch Plantagenerdbeeren und Früchte von Streuobstwiesen mindestens gleich risikobehaftet.

Die Verbreitung des Fuchsbandwurms nimmt zu

Bundesweit breitet sich der Fuchsbandwurm aus. Besonders in Baden-Württemberg und Bayern, aber auch in verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens steigen die Befallsraten. Was das für das Infektionsrisiko beim Menschen bedeutet, wird man vermutlich erst in zehn Jahren wissen. Unter Experten besteht die Sorge, dass die gegenwärtig stark vermehrte Kontamination der Umwelt mit infektiösen Eiern in Zukunft einen Anstieg der Erkrankungsfälle nach sich ziehen könnte.

Wissenschaftler gehen grundsätzlich von fünf Erkrankten unter 100.000 Menschen aus. Auf der Schwäbischen Alb, in einer Region mit Befallsraten über 70 Prozent wurde eine lokale Infektionsrate von 100 Erkrankten unter 100.000 Menschen festgestellt.

Bislang sind unter den Erkrankten laut Studien aus Bayern und der Schweiz häufig Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Erklärungen sind zum Beispiel der regelmäßige Kontakt mit feuchter Erde, in der die Eier lange lebensfähig bleiben, oder eine Infektion durch aufgewirbelte Eier aus getrocknetem, zerfallenem Fuchskot auf Feldern beim Mähen.

Allgemeine Empfehlungen

Da sich bislang kein Infektionsweg wissenschaftlich beweisen lässt, wird allgemein empfohlen, bodennah wachsende Früchte, auch Plantagenerdbeeren, Früchte von Streuobstwiesen oder Gartengemüse vor dem Verzehr zu waschen. Erhitzen über 60 Grad Celsius tötet die Eier jedoch am wirkungsvollsten ab.

In Regionen mit starkem Fuchsbandwurmbefall sollten zudem Katzen und Hunde, die Mäuse fangen, regelmäßig entwurmt werden, da auch sie den Parasiten übertragen können und zu den Hauptrisikofaktoren zählen.

Nach Arbeiten im Freiland und vor dem Verzehren von Nahrung Hände gründlich säubern und möglichst versuchen, keine Eier über verschmutze Schuhe oder Kleidung mit ins Haus zu tragen.

Bei landwirtschaftlichen Arbeiten mit starkem Staubanfall, wie dem Mähen, möglichst einen Atemschutz tragen.

Trotz allergrößter Sorgfalt bei der Erstellung und Bearbeitung dieser Seiten können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Nach geltender Rechtssprechung wird jegliche Haftung, für alle sich eventuell daraus ergebenden Folgen, ausgeschlossen. Alle Rechte vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtum vorbehalten.

Quelle: WDR online